Thursday, 3 November 2011

Beppu is the way to go

Wir fahren nach Beppu! Samstag Abend, Sonntag, Montag! Wir in dem Fall also wieder mal nur Erik und Ich... langsam zweifle ich an der Entscheidungskraft der anderen hier. 
Anyway... Beppu, die Stadt der Onsen (japanische öffentliche Bäder, gespeist durch natürliches heißes Quellwasser), der Vulkane und auch sonst vielem, was irgendwie in gasförmiger oder flüssiger Form dem Boden entweicht. Deshalb liegt die Stadt auch die meiste Zeit in Dampf gehüllt und durch die Straßen zieht fortweg ein nicht immer sehr angenehmes Odeur bestimmter, im Wasser vermischt für den Körper von außen zwar sehr gesunder, aber eben übelriechender Schwefelverbindungen. Beppu besitzt von 11 auf der Erde vorhanden Arten von natürlichen Quellen genau 10 davon und insgesamt viele viele tausend Quellen. Einige sind blutrot, andere kobaltblau, andere schlammig weiß... alles dabei bis zu rot-braun-pink-lavendel.

Dazu ein paar Bilder als Vorgeschmack... 




Kannawaen, Beppu Fotos
Dieses Foto von Kannawaen wurde von TripAdvisor zur Verfügung gestellt



Tokio Wars: Episode I

Und wieder beginne ich einen Blogpost mit: "Hab ich eigentlich schon von Tokio erzählt?". 
Ich hab nämlich mal gerade so bemerkt, dass ich darüber immer noch nix geschrieben hab. Grundsätzlich kann sowas ja an zwei Dingen liegen: Man hat es schlicht vergessen oder es war einem nicht wichtig genug. Höchstwahrscheinlich ist in meinem Fall so eine Art Nudelsalat mit Katenwurst dieser beiden Dinge anzunehmen. Klar war Tokio ne super geile Erfahrung und ich (alle folgenden "Ich", sind bitte durch den geneigten Leser stets durch das "Wir", consisting of Erik und mir zu ersetzen) hab mich zuerst sehr gefreut und dann auch mächtig gestaunt, aber teils verströmte Tokio auch wieder in etwa den Charme eines spannenden Sonntagmittags in einer Vorort-Idylle nahe Castrop-Rauxels. Warum? Dazu kommen wir noch... Fotos mögen wie immer rechts unter Bildgebendes eingesehen werden (bald unter Nr. 5).

Also noch mal zum Anfang gespult: Freitag, 07.10 ging es gegen späten Nachmittag ab zum Flughafen im herrlich warmen Fukuoka, um mit der für japanische Verhältnisse unschlagbar günstigen Linie Sky in Richtung Tokio abzuheben. 5 Tage in der, rechnet man die Vororte der Metropolregion mit, größten Stadt der Welt lagen vor uns. Nach einer kurzen Überblicksphase im schier endlos wirkenden System aus Tokioer U-Bahnen, Monorails und anderen schienengeführten Fahrzeugen, fanden wir dann doch noch unseren Weg zum Hotel, der uns (ohne Fußweg) gerade mal eine knappe Stunde gekostet hat. Zum Vergleich muss man, wenn man z.B. vom Westen der Stadt (hier ist wirklich nur die 9 Mio. fassende City innerhalb der Stadtgrenzen gemeint) irgendwo hin in den Osten fahren will, 1) keine Mauer oder Grenzkontrollen, wie an sonst üblichen West-Ost-Stadt(mauer)grenzen üblich, passieren und 2) eine gemütliche 2,5 Stunden dauernde Fahrt einrechnen.
Da wir uns entschieden hatten, mit allem Gepäck doch noch ein bisschen zu Fuß Tokio zu erkunden (man könnte auch sagen, wir sind falsch ausgestiegen), dauerte der abschließende Fußmarsch zum Hotel dann nur noch eine weitere Stunde. Diese war dafür unter anderem gezeichnet von zu viel Hunger, unzähligen verdammt großen Gebäuden, die nicht nur unseren kleineren Mitstreitern Krämpfe im Nacken bescherten, sowie der Beschau einiger lustig anmutender Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen... denn wer hat nicht schon immer von einem Job geträumt, bei dem man in einer schneidigen Uniform, vollgepappt mit bunten Blinklichtern, eine im gleichen Takt blinkende, sage und schreibe 5m lange Baustelle regungslos die ganze Nacht bewachen darf. Dann erstmal reinkommen ins Hotel, runterkommen und wieder hochkommen, was einem durchaus sehr gemütlichen Hotelzimmer schwerer war, als es klingt. Aber Hunger treibt einen bekanntlich zum äußersten. Also ab auf Nahrungssuche und der erste "Schock": Wo sind eigentlich diese vielen Menschen, von denen alle immer reden? Jedenfalls nicht eine Station vor Roppongi, dem als niemals schlafend geltenden Vergnügungsviertel Tokios. Große Verwunderung also beim Zwei-Mann-(Essen-)Jagdtrupp! Mit der letzten verkehrenden Bahn (wir reden hier von 23:46 Uhr) schafften wir es aber dann doch noch in eine der scheinbar gut versteckten menschenbefüllteren Bereiche dieser verqueren Stadt... Roppongi... war ja nur eine Station weiter.
Nach vielem Anschauen, Essen und einem verdienten ersten Tokio-Bier (respektive Tokio-Milch-mit-Honig) fällten wir ein erstes Urteil über den ersten von uns gesehen Teil Tokios: chicki, ausländisch geprägt, etwas rauhbeinig, bunt (nichts neues in Japan) und gesäumt von vielen dunkelhäutigen (wahrscheinlich auch mit dunklen Absichten auftretenden), aber sehr freundlichen Straßen"schreiern", die einem wahlweise oder alles zusammen einen Clubbesuch, den Besuch einer etwas "anderen" und möglicherweise auch teureren Lokalität, sowie natürlich ständig den Konsum diverser Substanzen andrehen wollten. Wir lehnten immerfort höflich dankend ab und schauten lieber weiter dem Treiben auf eigene, nicht-guide-geführte Faust zu. Eine ausnahmslos nur durch uns am Leben gehaltene Arcadehalle und eine Taxitour später waren wir wieder in Shinjuku und damit unserem Hotel, welches direkt gegenüber dem herrlich gruseligen, aber mit wohlklingenden Namen "Kaiserlicher Park Shinjoku" ausgestatteten Park lag, welcher aber um diese U(h)rzeit nur noch von Obdachlosen in ihren teils wahrlich luxuriös ausgestatteten Zelten bewohnt war. Schlaf war anschließend dringend nötig, denn einige Tage lagen noch vor uns. Also auf in den Samstag...

Episode II coming soon to your theatre near you

Tuesday, 1 November 2011

Ein Blick auf die japanische Gesellschaft (betrachtet gemäß DIN 1422)

VORWORT

Im Folgenden werde ich in mehreren Teilen versuchen, dem geneigten Leser die Kultur in Japan und die Art und Weise des Umgangs der Menschen näher zu beleuchten, damit man ungefähr einen Einblick bekommt, auf was für einen Wahnsinn (positiv wie negativ) man hier so täglich treffen kann.


TEIL I - Sprache

Sching, Schang, Schong... so oder so ähnlich stellt der gemeine Westeuropäer (der aus dem Osten aber wahrscheinlich ganz genauso) wohl meist die japanische Sprache vor und hat damit gar nicht mal so unrecht: Mit dem Aussteigen aus dem Flugzeug in Fukuoka begann es, dass man plötzlich nur noch tschi, cha und vergleichbare Laute vernehmen konnte und ich versichere, dass man absolut rein gar nicht davon auch nur in einen annähernden Zusammenhang mit den uns bekannten Sprachen bringen konnte. Dazu muss vorneweg gesagt werden, dass ich ein absoluter Anfänger, was Japanisch angeht, war und mich demnach auch direkt in der Japanese Beginner Class (von uns glorreichen sieben... mittlerweile acht... auch gerne liebevoll Japanese Loosers gennant) wiederfand. Den Einstufungstest am Anfang des Semester habe ich daher lieber gleich nach zwei Minuten abgegeben, da mir die ganzen Zeichen und Schriftarten ohnehin eher wie ein griechisches Rezept für süß-sauren Hamel in Kuhmilch mit reichlich Sauerkraut vorkam.
Japanisch an sich, also der gesprochene Teil, ist gar nicht mal soo verdammt schwer, wie man es sich vorher vielleicht folgenreich ausgemalt hatte. Klar, Vokabeln sind nich mein Ding und neue Schriftzeichen machen einem ohne jeden Anhaltspunkt, wie man die sich merken könnte, erst mal gehörig zu schaffen, aber prinzipiell ist das Japanische bisher vergleichsweise simpel. Zumindest die Grammatik... sobald es bei mir ans Sprechen geht, wird es schwer zu einer normalen Konversation zu kommen, da ich eben wir gesagt sehr schlecht (man könnte fast schon sagen: faul) im Vokabellernen bin und auch die Konstruktion eines korrekten japanischen Satzes bei mir ein bisschen dauert. Nun kommt es aber eben beim sprechen nicht so kool, wenn man für jeden Satz 10-20 Sekunden braucht (also gemessen vom Verstehen der Frage des Gegenüber, hin zum Übersetzen dergleichen, das Ausdenken der Antwort, das Übersetzen der Antwort und das Aussprechen dieser). Viele schwenken daher recht schnell auf Englisch um, was dem Lernen natürlich nicht gerade förderlich ist... ich vergass: sofern sie denn Englisch können; denn hallelujah ex-zweitgrößte Volkswirtschaft der Erde, dein Patriotismus und übersteigerter Nationalismus (dazu später mehr) haben dafür gesorgt, dass der moderne Japaner, so er denn nicht im Ausland studiert/gearbeitet/whatever hat, ungefähr das Englischniveau eines deutschen 7-8-Klasse Schülers hat. Ein Besuchstag in der Deutsch-Klasse hat übrigens noch tiefere Abgründe aufgeworfen: Da wird mit Schwachmaten Büchern von 1986 stumpf drauflos übersetzt (Zitat: "Die Keime waren überall am Körper des Kranken.", "Er sitzt ständig über den Büchern."), deutsche Prosa statt mal nen einfaches Kinderbuch gelesen und am Ende wunderte ich mich deshalb auch nicht, warum einem eine Japanerin nach einem scheinbar nicht sehr fruchtbaren 3-jährigen Deutschstudium nicht mal alle Zahlen bis 15 fehlerfrei entgegenbringen konnte: Japan, setzen, 6... schäm dich!

Aber weniger vom Englischen und Deutschen, mehr vom Japanischen: Im Japanischen gibt es sehr genau und nicht weniger als drei verschiedene Alphabete, die komplett anders funktionieren, als unsere lateinische Schriftart. Da wäre zunächst das von jedem Neu-Japaner obligatorisch zu lernende und immens wichtige Alphabet der Hiragana (ひらがな... wer jetzt nur irgendwelche Kästchen sehen kann, hat wahrscheinlich keine asiatischen Schriftarten auf seinem PC/Mac installiert und wir demnach weniger Spaß am lesen haben). Hiragana sind eine Form der Lautschrift und prinzipiell könnte man alles im Japanischen komplett damit ausdrücken, was natürlich praktischerweise keiner macht, weil es viel koolere (und kompliziertere) Schriftzeichen dafür gibt...