VORWORT
Im Folgenden werde ich in mehreren Teilen versuchen, dem geneigten Leser die Kultur in Japan und die Art und Weise des Umgangs der Menschen näher zu beleuchten, damit man ungefähr einen Einblick bekommt, auf was für einen Wahnsinn (positiv wie negativ) man hier so täglich treffen kann.
TEIL I - Sprache
Sching, Schang, Schong... so oder so ähnlich stellt der gemeine Westeuropäer (der aus dem Osten aber wahrscheinlich ganz genauso) wohl meist die japanische Sprache vor und hat damit gar nicht mal so unrecht: Mit dem Aussteigen aus dem Flugzeug in Fukuoka begann es, dass man plötzlich nur noch tschi, cha und vergleichbare Laute vernehmen konnte und ich versichere, dass man absolut rein gar nicht davon auch nur in einen annähernden Zusammenhang mit den uns bekannten Sprachen bringen konnte. Dazu muss vorneweg gesagt werden, dass ich ein absoluter Anfänger, was Japanisch angeht, war und mich demnach auch direkt in der Japanese Beginner Class (von uns glorreichen sieben... mittlerweile acht... auch gerne liebevoll Japanese Loosers gennant) wiederfand. Den Einstufungstest am Anfang des Semester habe ich daher lieber gleich nach zwei Minuten abgegeben, da mir die ganzen Zeichen und Schriftarten ohnehin eher wie ein griechisches Rezept für süß-sauren Hamel in Kuhmilch mit reichlich Sauerkraut vorkam.
Japanisch an sich, also der gesprochene Teil, ist gar nicht mal soo verdammt schwer, wie man es sich vorher vielleicht folgenreich ausgemalt hatte. Klar, Vokabeln sind nich mein Ding und neue Schriftzeichen machen einem ohne jeden Anhaltspunkt, wie man die sich merken könnte, erst mal gehörig zu schaffen, aber prinzipiell ist das Japanische bisher vergleichsweise simpel. Zumindest die Grammatik... sobald es bei mir ans Sprechen geht, wird es schwer zu einer normalen Konversation zu kommen, da ich eben wir gesagt sehr schlecht (man könnte fast schon sagen: faul) im Vokabellernen bin und auch die Konstruktion eines korrekten japanischen Satzes bei mir ein bisschen dauert. Nun kommt es aber eben beim sprechen nicht so kool, wenn man für jeden Satz 10-20 Sekunden braucht (also gemessen vom Verstehen der Frage des Gegenüber, hin zum Übersetzen dergleichen, das Ausdenken der Antwort, das Übersetzen der Antwort und das Aussprechen dieser). Viele schwenken daher recht schnell auf Englisch um, was dem Lernen natürlich nicht gerade förderlich ist... ich vergass: sofern sie denn Englisch können; denn hallelujah ex-zweitgrößte Volkswirtschaft der Erde, dein Patriotismus und übersteigerter Nationalismus (dazu später mehr) haben dafür gesorgt, dass der moderne Japaner, so er denn nicht im Ausland studiert/gearbeitet/whatever hat, ungefähr das Englischniveau eines deutschen 7-8-Klasse Schülers hat. Ein Besuchstag in der Deutsch-Klasse hat übrigens noch tiefere Abgründe aufgeworfen: Da wird mit Schwachmaten Büchern von 1986 stumpf drauflos übersetzt (Zitat: "Die Keime waren überall am Körper des Kranken.", "Er sitzt ständig über den Büchern."), deutsche Prosa statt mal nen einfaches Kinderbuch gelesen und am Ende wunderte ich mich deshalb auch nicht, warum einem eine Japanerin nach einem scheinbar nicht sehr fruchtbaren 3-jährigen Deutschstudium nicht mal alle Zahlen bis 15 fehlerfrei entgegenbringen konnte: Japan, setzen, 6... schäm dich!
Aber weniger vom Englischen und Deutschen, mehr vom Japanischen: Im Japanischen gibt es sehr genau und nicht weniger als drei verschiedene Alphabete, die komplett anders funktionieren, als unsere lateinische Schriftart. Da wäre zunächst das von jedem Neu-Japaner obligatorisch zu lernende und immens wichtige Alphabet der Hiragana (ひらがな... wer jetzt nur irgendwelche Kästchen sehen kann, hat wahrscheinlich keine asiatischen Schriftarten auf seinem PC/Mac installiert und wir demnach weniger Spaß am lesen haben). Hiragana sind eine Form der Lautschrift und prinzipiell könnte man alles im Japanischen komplett damit ausdrücken, was natürlich praktischerweise keiner macht, weil es viel koolere (und kompliziertere) Schriftzeichen dafür gibt...
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